Prof. Dr. med. Ernst August Stemmann

Bergmannsheil und Kinderklinik Buer gGmbH, Ärztlicher Leiter der Kinderklinik Buer

Arzt für Kinderheilkunde, Allergologie

Westerholter Straße 142

45892 Gelsenkirchen

 

Dr. med. Sibylle Stemmann

Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie

Oberhausener Straße 184 a

45476 Mülheim an der Ruhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Preis: 29,00 €

Auslieferung: AuK, Westerholter Straße 142,

45892 Gelsenkirchen

Telefon: (02 09) 3 05 30 oder 3 80 90 36

Telefax: (02 09) 3 80 90 37

 

 

Redaktion: Jahnke, Erkrath

Zeichnungen: Suttka, Schäfers

Alle Rechte bei den Verfassern © 2002

ISBN 3-00-009399-0

 

Für Angaben über Anweisungen und Medikamentenapplikationen kann keine Gewähr übernommen werden.

 

 

Der Erkrankte kann seine Neurodermitis selbst heilen.

Die Neurodermitis (das atopische, das endogene Ekzem) gilt als unheilbar. Dem widersprechen Spontanheilungen. Betroffene verlieren ihre Neurodermitis, d. h. sie heilen sich selbst (spontan von lateinisch spontaneus – von selbst, aus eigenem Antrieb, von innen heraus).

Die Spontanheilung der Neurodermitis wurde als wertvolles Fallbeispiel begriffen, das Hinweise zur Entwicklung eines neuen Heilverfahrens liefert, mit dem der Betroffene sich selbst heilen kann. Es liegt jetzt in Form des „Gelsenkirchener Behandlungsverfahrens nach Prof. Stemmann“ vor.

 

Merke:

Wenn behauptet wird, die Neurodermitis sei unheilbar, so dürfte es keinen Menschen geben, der seine Krankheit je verloren hat. Eine einzige Spontanheilung reicht aus, um zu beweisen, dass die Neurodermitis grundsätzlich ein heilbares Leiden ist.

 

Versteht man die Neurodermitis als Hautkrankheit, so lassen sich durch Anwendungen, Medikamente Symptome lindern. Will der Betroffene sein Leiden selbst heilen, so benötigt er dafür eine neue Theorie und andere therapeutische Maßnahmen als bisher.

Vor der Selbstheilung steht die Erkenntnis über die Mechanismen der Krankheit:

-       Wie entsteht eine Neurodermitis?

-       Warum verläuft sie chronisch?

-       Was verhindert die Selbstheilung?

 

Wie entsteht eine Neurodermitis (Ursache)?

Die Haut ist ständig entzündet und reagiert überempfindlich. Wie ist dieses Phänomen zu erklären? Die Erklärung ist ungewöhnlich.

Der Neurodermitiskranke leidet unter keinem Immundefekt, wie man vermuten könnte. Er hat vielmehr eine Fehlsteuerung erworben, d. h. er leitet bei Stress seine „Entzündungszellen“ (Eosinophile, Helferlymphozyten) in die gesunde Haut fehl und sie erzeugen dort eine Entzündung (Dermitis). Zudem wird seine Haut überempfindlich (Neuro-).

Der Gesunde dagegen neutralisiert seine Entzündungszellen bei Stress in seinen Immunspeichern, seine Haut bleibt intakt und es entsteht kein Juckreiz.

 

                                                                                  Stress

 

 


der Gesunde:                           Speicher                      Entzündungszellen                Haut intakt

 


der Neurodermitiskranke:        Haut                            Entzündungszellen                Haut entzündet

 

Die Entzündung der Haut bei der Neurodermitis ist primär eine körpereigene Entzündung. Es ist nicht gelungen, die Umweltbelastung oder Allergene als Ursache der Neurodermitis dingfest zu machen. Die Entzündung der Haut durch Bakterien, Viren, Pilze, Allergene, Schadstoffe u. a. ist von untergeordneter Bedeutung. Sie ist eine sekundäre Erscheinung, die erst auftreten kann, wenn die Neurodermitis über eine Fehlschaltung der Entzündungszellen bereits entstanden ist.

 

Merke:

Die Neurodermitis ist primär gar keine Hautkrankheit. Es werden vielmehr die Folgen der fehlgeleiteten Entzündungszellen in die Haut sichtbar und die Haut wird von zentral her überempfindlich.

 

Fehlsteuerung der Entzündungszellen und überempfindliche Haut sind vom Gehirn über das vegetative Nervensystem (Neuro-) und Stresshormone bedingt.

Beleg: Ein Junge mit Neurodermitis weist entzündliche Hautveränderungen in beiden Kniekehlen und am rechten Arm auf. Der linke Arm ist wegen einer geburtstraumatischen Lähmung erscheinungsfrei, da Fehlsteuerung, Juckreiz über das Gehirn und das vegetative Nervensystem nicht mehr möglich sind. Würde man einen Hauttest mit Histamin (Allergenen) durchführen, so fiele er an dem gelähmten linken Arm negativ, an dem rechten, von Neurodermitis betroffenen Arm dagegen positiv aus (sog. Histamintest).

 

Die Neurodermitis ist ein psycho-somatisches Leiden.

Fehlsteuerung der Entzündungszellen und Überempfindlichkeit der Haut bilden sich aus, wenn ein Mensch eine Trennung erlebt, Pech hat und sich „verfühlt“. Wähnt er sich ohnmächtig in dem Geschehen, so gerät er unter unkontrollierbaren Stress, der das Leiden in Gang setzt. Danach sind die Betroffenen auch sehr trennungsempfindlich. Es ist ein Zeichen dafür, dass das Verlusterlebnis nicht bewältigt ist. Sie reagieren zumeist bei einer Trennung mit heftigem Protest oder trennen sich, was seltener der Fall ist, scheinbar ohne jegliche Empfindung, indem sie ihre Trennungsangst unterdrücken. Löst das Erlebnis keinen unkontrollierbaren Stress aus, so kann auch keine Neurodermitis entstehen.

 

Kritische Situationen, in denen ein Mensch an Neurodermitis erkranken kann, sind u. a.

-       Trennung des Neugeborenen nach der Geburt                   -   Tod eines geliebten Angehörigen

     (z. B. Kaiserschnitt) von seiner Mutter                              -   Zerbrechen der ersten Liebe

-       Abstillen                                                                           -   aus dem Elternhaus gehen

-       längere Abwesenheit eines Elternteils                                -   Verlust eines Tieres

-       Scheidung der Eltern                                                        -   Umzug in einen anderen Ort

 

Niemand ist schuld.

Jeder Mensch kann an einer Neurodermitis erkranken. Der erblich vorbelastete etwas leicher als der Nichtbelastete. Dennoch muss ein erblich Vorbelasteter nicht schicksalhaft erkranken. Es unterliegt nicht dem Willen und Einfluss des Menschen, wenn er in einer Trennungssituation unkontrollierbaren Stress empfindet. Der Betroffene merkt zwar, dass er unter Spannung gerät, weil er sein Problem nicht selbst lösen kann. Dass dieser Stress aber zu einer Krankheit führt, das verspürt er nicht. Erst nachher, nachdem er krank geworden ist, kann er einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Trennung und Neurodermitis herstellen, wenn er um das Geschehen weiß.

Es gibt prinzipiell unvorhersehbare Ereignisse, die den Menschen unvermutet treffen und die er nicht aktiv bewältigen kann, die zur Krankheit führen. Daher ist es nicht gerechtfertigt, dass der Betroffene oder Eltern bei sich selbst oder anderen Personen Schuld voraussetzen und danach suchen.

 

Die Neurodermitis tritt erst sichtbar auf, wenn der Stress vorüber ist.

Die Neurodermitis entsteht in der Stressphase. Dennoch bemerkt der Neurodermitiskranke nicht, dass Stress sein Leiden aktiviert. Es ist der erhöhte Stresshormonspiegel, der Symptome maskiert.

Die Situation für den Betroffenen ändert sich schlagartig, wenn die Anspannung nachlässt und Entspannung einsetzt. Der Spiegel der Stresshormone fällt steil ab und jetzt sind die Stresshormone nicht mehr fähig, den Juckreiz zu coupieren.

-       Innerhalb weniger Minuten setzt heftiger Juckreiz ein.

Der niedrige Stresshormonspiegel ist auch nicht mehr in der Lage, die Entzündung in der Haut zu maskieren.

 

 

 

 

-       Nach (6) – 12 bis 72 Stunden wird die Entzündung der Haut sichtbar.

    

    Haut                                                                      Erholung

           blass, trocken                                       (Symptome der Neurodermitis treten auf)

         Hände, Füße kalt                                  

                                                                             Haut rot, feucht; Hände, Füße warm, heiß

    Stress                             Juckreiz                       Entzündung

    (Neurodermitis entsteht)      

                                                          nach Minuten                      nach 6 bis 72 Stunden

 

Erst wenn der Betroffene den zweiphasigen Verlauf seiner Krankheit kennt, ist er in der Lage, seine Krankheitsursache aufzufinden und seine Krankheitsschübe zu deuten.

Ursache: Da die Neurodermitis erst erscheint, wenn das Ereignis längst vorüber, scheinbar überwunden, vergessen ist (der Betroffene befindet sich jetzt in einer Phase der Erholung, in der es ihm gut geht), kommt er nicht auf den Gedanken, dass er durch ein vorausgegangenes traumatisches Erlebnis neurodermitiskrank geworden ist.

Säuglinge erkranken zumeist nach einem Tag bis zu drei Tagen nach dem Trennungserlebnis. Bei Erwachsenen kann das Intervall zwischen dem Trauma und dem Auftreten der Hautsymptome Wochen bis Monate betragen, ehe der Stress abfällt und tiefe innere Ruhe einkehrt. Eine Erwachsene berichtet:

     „Nach einer Trennung von meinem damaligen Lebenspartner begann der Teufelskreis von neuem – und es hat lange gedauert, bis ich es realisierte. Das Trennungserlebnis und der Beginn der Hautverschlechterung lagen auch zwei bis drei Monate auseinander.“

Schub: Ein neurodermitiskrankes Kind besucht z. B. seine Großeltern. Bei ihnen bessert sich das Hautleiden. Nachdem das Kind heimgekehrt ist, kratzt es vermehrt und in der folgenden Nacht flammt die Neurodermitis auf. Dann sagen normalerweise die Großeltern zu den Eltern „Was macht ihr mit eurem Kind, bei uns geht es ihm so gut.“ Die Ursache des Neurodermitisschubes wird im häuslichen Bereich des Kindes gesucht.

Aus dem zweiphasigen Verlauf der Krankheit muss das Geschehen ganz anders gedeutet werden. Das Kind muss bei den Großeltern unter Spannung gestanden haben (sei es durch Freude oder Leid) und der erhöhte Stresshormonspiegel hat einerseits den Hautzustand gebessert, andererseits zugleich aber auch die Krankheit aktiviert, indem Entzündungszellen in die Haut eingewandert sind. Weilt das Kind wieder daheim, sinkt der Stresshormonspiegel ab, setzt Juckreiz ein und nachts flammt die Neurodermitis auf.

 

Zum Juckreiz

Der Betroffene kratzt willentlich, bewusst, wenn er z. B. etwas haben möchte und seiner Forderung durch Kratzen zusätzlich Nachdruck verleiht.

Bei Stress, d. h.:

-   Aktivierung des die Haut versorgenden Sympathikusnerv (Sympathikotonie)

-   Anstieg der Stresshormone im Blut

empfindet der Mensch keinen Juckreiz.  Juckreiz als unbewusster Vorgang macht sich erst in der Erholungsphase (Parasympathikotonie) bemerkbar, wenn

-   die Erregung des Sympathikusnerv z. B. nach akuter Anspannung, Aufregung nachlässt

-   das Niveau der Stresshormone, das z. B. am Tage hoch ist, gegen Abend hin absinkt.

Wenige Minuten danach setzt heftiger Juckreiz ein und die Haut rötet sich.

 

Kräftige Reize verändern die „normale“ zweizeitige Reaktion des Organismus.

Wirkt ein sehr starker Reiz ein, geht der Sympathikotonie, dem Stress eine kurzzeitige parasympathikotone Phase mit Juckreiz voraus.

-   Bei Aufregung wird kurzzeitig Juckreiz ausgelöst. Er lässt erst nach, wenn die Spannung weiter steigt um mit Nachlassen des Stress in Parasympathikotonie erneut aufzutreten.

 


     Reiz                                          kein Juckreiz                                        Juckreiz

                                                  Sympathikotonie                            Parasympathikotonie

     Vorphase mit Juckreiz                    Stress                                              Erholung

 

Ist der Reiz extrem, z. B. durch eine unvermutete Trennung zwischen Mutter und Kind, so überwiegt ganz die Parasympathikotonie mit anhaltendem Juckreiz und Kratzen.

 


          Reiz                                           anhaltender Juckreiz

 


                                                           Parasympathikotonie

                                                                  

Anhand des Kratzverhaltens ist exakt erkennbar, in welcher vegetativen (Stress-) Verfassung sich der Betroffene befindet und wie er den Reiz unbewusst interpretiert.

Auch die verschiedenen Blut- und Immunzellen verhalten sich entsprechend Stress (Sympathikotonie) und Erholung (Parasympathikotonie).

 

Die Haut ist Ausdruck unbewusster Empfindungen.

Dadurch lässt sich die unterschiedliche Lokalisation der Neurodermitis exakt erklären. Lokalisiert sich die Neurodermitis z. B.

-   an den Innenseiten von Armen und Beinen, so ist dem Betroffenen etwas entzogen worden

-   an den Streckseiten der Extremitäten, so muss eine Trennung abgewehrt werden.

Ist der gesamte Körper betroffen, steht das für die schwerste Form der Trennung, den Totalverlust.

 

Der Kenner weiß, in welcher Phase der Krankheit sich der Betroffene befindet und welchen Inhalt die Trennung gehabt hat:

-   Haut kalt und blass: der Betroffene steht unter Stress

-   Haut warm, rot, schwitzig: der Stress ist in die Erholungsphase übergegangen

-   Lokalisation der Hauterscheinungen: sie entspricht einem genau definierten Trennungs-erlebnis mit festgelegtem Inhalt

-   Wechsel der Lokalisation: es ist erneut eine traumatische Trennung erlebt worden mit anderem, neuen Inhalt als bisher.

 

Die Neurodermitis unterhält sich von allein, das Leiden wird chronisch.

Von der entzündeten Haut gehen Signale zum Zwischenhirn, um die körpereigene Abwehr zur Selbstheilung anzuregen. Dazu ist Stress notwendig, der die Abwehr steigert und der vom Gehirn in „Wellen“ erzeugt wird. Doch die Selbstheilungsbemühungen funktionieren nicht, weil durch jede Stresswelle Entzündung der Haut und Juckreiz reaktiviert werden.

 

                                   Stress, Aktivierung der Hautsymptome

 

 

 


                                                         Stress                          Stress                            Stress                                                                                                                                                                      

                 Stress

                                               Entzündungszellen wandern bei Stress in die Haut

      entzündete Haut                             Juckreiz tritt auf, wenn der Stress abklingt

 

Dass der Betroffene immer wieder unter Stress gerät, ist an seinem oft impulsiven, für die Umgebung unerklärlichen Verhalten, besonders im Umgang mit seiner Kontaktperson (im häuslichen Bereich) zu erkennen. Im Kontakt zu anderen Personen (meist im außerhäuslichen Bereich) unterdrückt der Betroffene meistens seine Gefühle und gerät dadurch ebenfalls unter Stress. Letztlich ruft die Krankheit, ohne dass der Betroffene um das Geschehen weiß, die Neurodermitis ungewollt ständig selbst hervor. Der Erkrankte wird Opfer der Mechanismen der Krankheit Neurodermitis.

 

Merke:

Der Mechanismus, mit dem der menschliche Organismus eine akute Krankheit selbst heilt (Stress erhöht die Abwehr), hat sich bei der Neurodermitis in das Gegenteil verkehrt und ruft Krankheit hervor. Deshalb ist das Leiden chronisch.

 

Durch den Verstärker wird die Neurodermitis unheilbar.

Die chronische Krankheit löst eine vermehrte Aktivität der Angehörigen aus.

-   Zum Teil erleiden die Familien ein wahres Martyrium, wenn sie jede Nacht mehrfach aufstehen müssen, über Monate, Jahre, um das Kratzen zu unterbinden, um zu trösten. Unbegreiflich ist, dass trotz maximaler Zuwendung kein durchschlagender, positiver Effekt auf das Leiden erzielt wird. Es kommt sogar der Verdacht auf, dass durch die Zuwendung die Neurodermitis endgültig unheilbar wird.

Eine Erklärung für diese (ungeheuerliche) Behauptung liefert der Verstärker.

Das Prinzip der Verstärkung

-       Jeder Reiz, jedes Verhalten, das eine bestimmte Handlung beachtet und dadurch fördert, wird in der Verhaltensforschung als Verstärker bezeichnet.

Das Prinzip der Verstärkung wird jetzt auf die Neurodermitis übertragen.

     Der Betroffene kratzt

 


     die gesunde Kontaktperson beachtet das Kratzen und lenkt den Betroffenen ab. Sie verstärkt dadurch, ohne dass es ihr bewusst wird, das Kratzen des Neurodermitis-kranken (positive Verstärkung) – und dann  muss der Betroffene immer wieder kratzen, zunächst bewusst, später unbewusst.

 

     Schließlich kratzt der Betroffene auch wieder bewusst, um einen Vorteil zu erlangen (das gehört zu den Mechanismen der Krankheit).

 

Merke:

Die Neurodermitis wird unheilbar, wenn der Betroffene, wenn er sich kratzt oder krank darniederliegt, Beachtung oder intensive Zuwendung erhält (was normalerweise geschieht). Dies schwer zu verstehende Phänomen beruht auf der Dominanz von Zwischen- und Stammhirn, die zu 80 % das (unbewusste) Verhalten bestimmen.

 

Das Gelsenkirchener Behandlungsprogramm fängt den Betroffenen mit seiner Kontaktperson in einem Netz auf.

Das Netz wird von der Klinik, den niedergelassenen Kollegen, der eigenen Familie und der Selbsthilfegruppe AuK gebildet und ist in dieser Form einmalig.

 

         Klinik                                                 niedergelassener Kollege

 


                              Kontaktperson – Betroffener

 

                  Familie                                              Selbsthilfegruppe

                             

 Förderverein für Psychosomatik

 

-   Der Betroffene und seine Kontaktperson werden durch die Kinderklinik Buer über die Selbstheilung der Neurodermitis informiert und praktisch angeleitet (Internetadresse: www.kinderklinik-ge.de). Ist die Krankheit ausgeprägt, erfolgt ein stationärer Aufenthalt; Säuglinge und Kleinkinder bleiben drei und ältere Kinder, Jugendliche zwei Wochen in der Klinik. Betroffener und Kontaktperson werden in dieser Zeit ausgebildet, die krankheitsverursachenden und -erhaltenden Mechanismen durch psychosomatische, psychotherapeutische Behandlungsstrategien über die unbewusste und bewusste Ebene aktiv anzugehen und aufzuheben. Kontrolluntersuchungen erfolgen nach einem halben und einem Jahr und dann ist die Behandlung normalerweise abgeschlossen.

-       Außerhalb der Klinik versorgt der niedergelassene Kollege den Betroffenen, wenn er akut erkranken sollte.

-       Im Abstand von 14 Tagen werden Angehörige an einem Samstag über das Behandlungsverfahren in Seminarform informiert, damit sie den Betroffenen und seine Kontaktperson in ihren Bemühungen um Selbstheilung unterstützen.

-       Die Selbsthilfegruppe „Allergie- und umweltkrankes Kind, Hilfe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene“, AuK, vertritt ausschließlich das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren. Die Selbsthilfegruppe AuK begleitet und berät die betroffenen Familien in emotional belastenden Lebenssituationen und steht ihnen menschlich bei. Internet: http://members.aol.com./AUKGE, E-mail: AUKGE@aol.com

-   Ein eigens gegründeter Förderverein für Psychosomatik unterstützt zudem das Behandlungskonzept (Förderverein für ganzheitliche Psychosomatik e. V., E-mail-Adresse: langer@kinderklinik-ge.de).

 

Behandlungsstrategie

Erlangt der Erkrankte Selbstheilung, so hat er seine Autonomie zurückerworben. Doch was ist mit dem Menschen, der das Ziel nicht erreicht? Wird hier die hoffnungsvolle Selbstheilungs-prophezeiung zu einer Quelle von Schuld oder Verzweiflung und wäre es von daher nicht besser, dem Betroffenen erst gar keinen Mut zu machen? Der Betroffene und seine Angehörigen lernen im Gelsenkirchener Behandlungsverfahren, worauf sich die Selbstheilung gründet. Die Menschen lernen, ehrlich zu sich selbst zu sein. Wird Selbstheilung nicht erreicht, so ist allen Beteiligten klar bewusst, warum der Erfolg noch nicht eintreten konnte
– eine Tatsache, die von allen akzeptiert wird. Nicht jeder erkrankte Mensch hat optimale Bedingungen, um sich selbst zu heilen. Doch er und seine Angehörigen erlangen eine tiefe Einsicht in die Vorgänge der Erkrankung und geraten nicht mehr in Hilflosigkeit und Ohnmacht. Die Kinderklinik Buer und die Selbsthilfegruppe AuK geben auch in dieser Situation Hilfe und stehen den Betroffenen bei.

 

Die Neurodermitis wird üblicherweise mit Salben, Cremes, Medikamenten, Anwendungen u. a. behandelt. Die Therapie ist besonders erfolgreich in der Behandlung des akuten Krankheitsschubes – und nur zu diesem Zweck wird sie hier angewandt. Das tägliche Salben, Cremen, Baden findet nicht statt und die Betroffenen erhalten auch langzeitig keine Medikamente, wie z. B. gegen den Juckreiz. Es gibt keine Grundpflege der Haut. Damit entfällt die fortwährende Beachtung und somit Verstärkung der Erkrankung. Eine Ausnahme bilden nur sehr wenige Patienten, die langfristig steroidhaltige Externa angewendet haben oder eine extrem trockene Haut auch an den nicht betroffenen Arealen aufweisen. Der Betroffene erhält auch keinen Kratzanzug, er darf kratzen. Es werden auch keine Kratzbewältigungsstrategien gelehrt, die erst eingesetzt werden, wenn es zu spät ist, d. h. der Juckreiz eingetreten ist. Vielmehr versucht das Gelsenkirchener Verfahren die Ursache und die die Neurodermitis  unterhaltenden Mechanismen aufzuheben, so dass erst gar nicht eine Entzündung der Haut auftritt und Juckreiz nicht mehr aufkommen kann.

 

Die Krankheit belastet drei Generationen: das betroffene Kind, seine Eltern und die Großeltern. Ihnen muss geholfen werden. Sie alle werden unverschuldet in das chronische Krankheitsgeschehen verstrickt, das sich wie folgt beschreiben lässt:

 

Formel                            (A x B) + C                          - Beteiligte:       der Betroffene A

                                                                                                          die Kontaktperson B

(sowie die weitere mensch-liche Umgebung)

die Umweltbelastung C

 

Ebene der                          Stress                                - prägen:          das Erscheinungsbild der

Vielfalt                  Emotion                                                     Haut

                                      Verstärker                                                   das menschliche Verhalten

                                                                                                          die Empfindungen

                                                                                                          die Reaktion auf die Um-

                                                                                                          weltbelastung

                                                                                                          die Chronizität des Leidens

Ebene des                 Autonomieverlust

Ursprungs              durch Trennungsangst                    - ist:                 Ursache der Neurodermitis

 

Zur Selbstheilung werden die treibenden Kräfte – Stress, Emotion, Verstärker – die die Neurodermitis fortlaufend bedingen und unterhalten in ihrer Wirkung „umgekehrt“, um Gesundheit zurückzugewinnen:

-   Stress wird reduziert und der Umgang mit notwendigem Stress so geübt, dass er keine Beschwerden mehr hervorruft. Ungestörter nächtlicher Schlaf wird durch ein Schlaftrai-ning erworben.

-       Emotionen werden nicht unterdrückt oder übermäßig geäußert, sondern angemessen durchlebt. Durch ein Trennungstraining wird die Trennungsangst überwunden.

-       Der Verstärker wird im Krankheitsfall entzogen und gezielt eingesetzt, um Gesundheit zu fördern.

Selbstheilung tritt ein, wenn der Betroffene (und seine Kontaktperson) Autonomie zurückgewinnen. Sie erlangen ein inniges Verhältnis zueinander. Die Fehlleitung der Entzündungszellen in die Haut verliert sich und die Haut gesundet wieder. Die Selbstheilung wird unterstützt durch Umstellung auf eine möglichst naturbelassene säure- und allergenarme Nahrung für ein Jahr. Für diesen Zeitraum werden auch belastende Reize, Schadstoffe aus der Umwelt gemieden bzw. vermindert. Ziel der Behandlung ist ein normales Leben, frei von Neurodermitis und unabhängig von Anwendungen, Medikamenten.

 

Wirksamkeit der Behandlung

Die Behandlungserfolge sind durch prospektive Studien belegt. Eine der Studien soll dargestellt werden. 40 Kinder mit Neurodermitis im Alter von 6 Monaten bis 4 Jahren wurden 1998 behandelt und ein Jahr später nachuntersucht (Langer, Dissertation, im Druck). Keine Rückmeldung gaben zwei Elternpaare. Die Angaben bei 38 Kindern wurden ausgewertet:

 

Der Zustand der Haut wurde in 87 % als gebessert angegeben, er blieb in 13 % unverändert im Vergleich zum Beginn der Behandlung.

 

Wenn sich der Behandlungserfolg allein auf das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren bezieht, müssten zusätzliche Therapien die Ausnahme sein. Knapp 70 % wendeten das Verfahren als alleinige Behandlung an.

                                               keine       Homöopathie      Kur            andere       keine Aussage

zusätzliche                                  %                 %                 %               %                 %

Behandlungsverfahren    69                  13                6                 3                   9

 

Der Kranke heilt sich selbst. Er benötigt somit kaum Anwendungen oder Medikamente (auch nicht gegen andere Krankheiten). 63 % haben in dem Jahr keine Salben und Cremes verwendet, 75 % keine Medikamente (auch nicht gegen andere Krankheiten) eingenommen.

                                               gar nicht

                                                  %

Salben und Cremes                    63

Medikamente                            75

 

Das Behandlungsprogramm fördert die innige Bindung zwischen dem Kranken und seinen Eltern. Innige Bindung ist Voraussetzung für die Fähigkeit des betroffenen Kindes, sich angstfrei von seinen Eltern zu trennen und neue Kontakte zu anderen Menschen anzuknüpfen.

Trennungsangst weitgehend oder total überwunden:                 94 %

Fähigkeit, Kontakte zu anderen aufzunehmen, wiedererlangt:    87 %

 

Anerkennung für das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren kommt aus der Politik.

Auszug aus einem Brief des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen:

 

Sehr geehrter Herr Prof. Stemmann,

 

ich freue mich, dass ich Ihnen heute mitteilen kann, dass Ihr Projekt „Selbstheilung (Spontanheilung) der Neurodermitis (des atopischen Ekzems)“ in den Projektverbund „Gesundes Land Nordrhein-Westfalen“ im Europäischen Netzwerk der WHO „Regionen für Gesundheit“ aufgenommen worden ist. Es wurde als beispielgebend und als eine Bereicherung für das Gesundheitswesen des Landes bewertet.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Birgit Fischer

(Ministerin)